Andrea Lösch

F: Frau Lösch, hinter einem Umzugsunternehmen würde man als Außenstehender zunächst einmal „starke Männer“ vermuten. Dass eine Frau ein solches Unternehmen führt, ist doch eher ungewöhnlich …?

A: Für mich ist es durchaus nichts Ungewöhnliches – im Gegenteil, ich bin bereits seit meinem 19. Lebensjahr in dieser Branche tätig und bin, sozusagen, mit dem Geschäft gewachsen.

F: War es denn für Sie ein vorgezeichneter Weg?

A: Ich habe zunächst mit einem Gebrauchtmöbelmarkt angefangen, den es auch heute noch gibt. Im Laufe der Zeit wurde ich dann aber immer wieder gefragt, was bei einem Umzug zu tun und zu beachten sei. Ich habe dann auf diese Nachfrage, die besonders in den letzten Jahren stark gewachsen ist, reagiert und habe auf dieser Basis das Umzugsunternehmen aufgebaut.

F: Das klingt ein wenig danach, als sei das Geschäft mehr oder weniger zufällig entstanden. Ist das so, oder sind Sie letztlich doch systematisch vorgegangen?

A: Auf reinem Zufall kann man auf die Dauer kein erfolgreiches Unternehmen basieren lassen. Ich habe mir das nötige Wissen und Können angeeignet und sorge ständig dafür, dass auch meine Mitarbeiter sich weiterbilden.

F: Dann ist für Sie eine gute Ausbildung also ein wichtiger Erfolgsfaktor?

A: Unbedingt. Wir sind selbst seit 2006 ein zertifizierter Ausbildungsbetrieb, und ich engagiere mich auch außerhalb meines Unternehmens stark für die duale Ausbildung, indem ich beispielsweise im Prüfungsausschuss der IHK Kassel mitarbeite. Aber Ausbildung ist das eine, eine kontinuierliche Weiterbildung ist das andere, sehr wichtige Standbein. Deshalb erwarte ich und fördere ich bei meinen Mitarbeitern auch die Bereitschaft, Neues zu lernen.

F: Sind Ihr Unternehmen und Ihr Geschäft Ihre einzigen Beweggründe dafür?

A: Natürlich habe ich dabei stets auch mein Geschäft im Auge, aber die soziale Bedeutung einer guten beruflichen Ausbildung ist ebenfalls eine Triebfeder. Ich glaube fest daran, dass ich als Unternehmerin und dass mein Betrieb als Ausbildungsbetrieb einen gesellschaftlichen Auftrag haben, jungen Menschen eine berufliche Existenz zu ermöglichen. Dafür setze ich mich mit ganzer Kraft ein.

F: Das ist, sagen wir einmal, eine eher ungewöhnliche Haltung in unserer Zeit. Glauben Sie, dass sich eine soziale Einstellung wie die Ihre sich letzten Endes auszahlt?

A: Unbedingt. Was man in die Aus- und Weiterbildung investiert, kommt eines Tages auch wieder zurück. Ich komme ja bei unserer Tätigkeit mit vielen Altersgruppen und Schichten in Berührung und mache dabei immer wieder die Erfahrung, dass es sich auszahlt, wenn man Verständnis für unterschiedliche Bedürfnisse zeigt.

F: Können Sie uns dafür ein Beispiel geben?

A: Nun, für viele, gerade alte Menschen bedeutet ein Umzug einen großen Einschnitt in ihrem Leben. Oft muss man wegen äußerer Umstände seine gewohnte Umgebung verlassen, sich auch von lieb gewordenen Dingen trennen. Da wäre es völlig falsch, die Menschen, die diese Erfahrung machen müssen, sozusagen wie Möbelstücke einfach von A nach B zu transportieren und sie mit ihren Sorgen an diesem Punkt alleine zu lassen. Deswegen bieten wir, ganz nach Kundenwunsch, individuelle Leistungsumfänge an und kümmern uns um das, was bei einem Umzug nun einmal zu regeln ist. Wir schleppen nicht nur Möbel von einem Ort zum anderen … (Lachen)

F: Vielen Dank für dieses Gespräch, Frau Lösch.

 

This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now